1969 beschloss der Saarländische Landtag die Reprivatisierung der Saarbrücker Zeitung und legte damit den Grundstein für die Entstehung der Stiftung Demokratie Saarland. Warum? Die 1761 gegründete Zeitung war 1935 nach der Rückgliederung des Saargebiets in das Deutsche Reich dem NSDAP-Verlagsimperium einverleibt worden. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges stand sie unter französischer Sequesterverwaltung und wurde 1956 an das Saarland übertragen. Damit verbunden war eine neue Eigentümerstruktur und so bilden gegenwärtig die Rheinische Post Mediengruppe sowie die Gesellschaft für staatsbürgerliche Bildung Saar mbH (GSB) die beiden größten Gesellschafter. Der GSB gehören die Union Stiftung, die Villa Lessing – Liberale Stiftung sowie die Demokratische Gesellschaft Saarland e.V. an, Stiftungsträger der Stiftung Demokratie Saarland. Die 1970 gegründete Rechtsvorgängerin Stiftung Demokratie Saarland e.V. wurde schließlich am 1. Januar 1995 durch eine Stiftung bürgerlichen Rechts abgelöst – die heutige Stiftung.

Insofern blickt die Stiftung auf eine historisch spannende und zugleich komplexe Entstehungsgeschichte zurück und ist sich als gemeinnützige Einrichtung politischer Bildung der historischen sowie der aktuellen Verantwortung bewusst. Mit ihren verschiedenen Veranstaltungsformaten unterstützt sie die Verbreitung und Vertiefung demokratischer Ideen, das gesellschaftliche Engagement der Bürgerinnen und Bürger, deren demokratische Erziehung und die internationale Zusammenarbeit.

Regelmäßig finden in der Politischen Akademie am Saarbrücker Eurobahnhof Vorträge von Publizisten und Wissenschaftlerinnen aus dem Bereich der Sozial- und Geisteswissenschaften sowie Seminare statt. Wechselnde gesellschaftspolitische Ausstellungen und Ausstellungsführungen bereichern jene Bildungsangebote.

Zudem bietet die Stiftung Exkursionen an: zum Schlachtfeld von Verdun, zum ehemaligen KZ Natzweiler-Struthof, zum ehemaligen KZ Hinzert sowie innerhalb der saarländischen Landeshauptstadt, wo die Teilnehmenden auf Spuren treffen, die der Nationalsozialismus in ihrer Region hinterlassen hat.

Weiterhin veröffentlicht die Stiftung Publikationen: Neben Einzelpublikationen und Katalogen sind dies vor allem Bände in der sogenannten „Dialog-Reihe“ sowie der Schriftenreihe „Politik, Geschichte & Gesellschaft“. Das vielfältige Themenspektrum, dem sich die Stiftung mit dem Ziel einer lebendigen Diskussionskultur widmet, umfasst u.a. Demokratie(-geschichte), Soziales, Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Europa, Antisemitismus, Rechtsextremismus, Nationalsozialismus oder internationale Geschichte.

Gerne arbeitet die Stiftung mit Institutionen aus dem Saarland zusammen, wie etwa der Volkshochschule Saarbrücken, Courage. Netzwerk für Demokratie und Courage, der Heinrich-Böll-Stiftung Saar oder dem Historischen Museum Saar. Seit 2016 ist auch die grenzüberschreitende Kooperation mit dem Parc Explor Wendel hinzugekommen. Dabei geht es um die beide Seiten verbindende (Bergbau-)Geschichte, aber auch und vor allem um die Sensibilisierung für die Bedeutung der Demokratien in Europa. Neben gemeinsam entwickelten Projekten, der zweisprachigen Neuauflage der Ausstellung „Mutwege“ – Wege, die Menschen beiderseits der deutsch-französischen Grenze im Widerstand gegen das NS-Regime gegangen sind – zeugt der aus einer Vortragsreihe 2018/19 hervorgegangene Band „Der Versailler Vertrag. Deutsch-französische Betrachtungen / Le traité de Versailles. Réflexions franco-allemandes“ von der fruchtbaren grenzüberschreitenden Arbeit.

Links

Bildquellen

  • Vortrag, Ulrike Herrmann: Stiftung Demokratie Saarland
  • Exkursion Verdun Fort Douaumont: Stiftung Demokratie Saarland
  • Ausstellungsraum Mutwege: Jörg Hempel
  • Politische Akademie der SDS am Eurobahnhof: Jörg Hempel