Was ist ein Ort der Demokratiegeschichte?   

Die Orte der Demokratiegeschichte verstehen sich als eine bunte, gleichwohl kriteriengeleitete Auswahl von Ereignissen, Institutionen und Protagonisten, in denen sich ein breites Spektrum an Erfahrungen und Geschichten im Ringen um Demokratie in der deutschen Geschichte widerspiegeln.

Sie verstehen sich auch als Einladung zum Weiterdenken. Der Katalog wird laufend erweitert. Schreiben Sie uns Ihre Vorschläge.

Definitionen

Orte der Demokratiegeschichte sind physische oder symbolische Orte, an denen die Erinnerung an Prozesse der Demokratisierung kristallisiert. Sie verweisen auf Personen, Aktionen, Ereignisse, Entwicklungen, Institutionen, etc., die mit einem “mehr” an Menschenwürde, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit verbunden sind.   

Demokratiegeschichte bezeichnet dabei das individuelle und gesellschaftliche Ringen um die Verwirklichung von Menschenwürde, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit im historischen Prozess, egal ob die konkreten Bemühungen im Einzelfall unmittelbar von Erfolg gekrönt waren oder nicht.  

Orte der Demokratiegeschichte:
Auswahlkriterien für einen ersten Katalog

In einer ersten Phase liegt der Fokus auf Institutionen und Verfahren der Demokratie im Zeitraum zwischen 1789 und 2000, auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland. Im Zentrum steht, wie sich Prinzipien der Gewaltenteilung und -kontrolle, freie, gleiche und allgemeine Wahlen, Verfassungsmäßigkeit, Pluralismus, Partizipation, Mehrheitsprinzip und Minderheitenschutz im historischen Prozess entwickelt haben und durch entsprechende Institutionen, Normen und Verfahren gesichert wurden.

Die erste Auswahl von Orten der Demokratiegeschichte beinhaltet jene Orte von überregionalem Charakter, die für die deutsche Demokratiegeschichte weite Bekanntheit erlangt haben und/oder den wesensgebenden demokratischen Institutionen zuzurechnen sind.  

Sie umfasst zunächst drei Kernelemente, die sich als „Schlaglichter“ der deutschen Demokratiegeschichte begreifen lassen:  

  1. Verfassungsgebung: Verfassungen garantieren unveräußerliche Grund- und Menschenrechte der StaatsbürgerInnen. Demokratiegeschichte als Verfassungsgeschichte richtet den Fokus im Wesentlichen (aber nicht ausschließlich) auf den Vormärz, die 1848er-Revolution, die Weimarer Reichsverfassung sowie das Grundgesetz und die Wiedervereinigung.  
  2. Institutionen der Demokratie: Zu den institutionellen Kernmerkmalen der Demokratie zählen die aus Wahlen hervorgegangenen Parlamente als „Herzkammern der Demokratie“. Diese garantieren das Mehrheitsprinzip. Verfassungsgerichte, welche die Freiheit der BürgerInnen sichern und als „Hüter der Verfassung“ begriffen werden, sind zusätzlich zu nennen. 
    Für die Bundesrepublik können sowohl die Länderparlamente der 16 Bundesländer sowie die Verfassungsgerichte vollständig ausgewiesen werden. Zunächst exemplarisch, treten Vorgängerinstitutionen wie Landtage, Ständeversammlungen und Staatsgerichtshöfe oder weitere staatliche Institutionen, wie die Bundeszentrale für politische Bildung, hinzu.
  3. Protagonisten: Protagonisten dieser Prozesse und Institutionen sowie ihr Umfeld und Wirkungskreis können weitere Orte, Wirkungsstätten und demokratische Institutionen aufzeigen. Diese wurden, zunächst stellvertretend und ohne Anspruch auf Vollständigkeit, dokumentiert und lokal verortet.

Weitere Kriterien sollen, wo möglich, die regionale, epochale und thematische Ausgewogenheit der Orte sicherstellen.