Elternhaus von Clara Zetkin

Königshain-Wiederau

Museum "Alte Dorfschule"

Clara Zetkin war eine führende Vertreterin der proletarischen Frauenbewegung. Geboren wurde sie 1857 als Clara Eißner im sächsischen Wiederau. In ihrem Elternhaus – der Alten Dorfschule – erzählt heute eine Dauerausstellung von ihrem Leben, ihrem politischen Engagement und ihrem Einsatz für Frauenrechte.


Im Jahr 1853 kam Clara Zetkins Vater, Gottfried Eißner, nach Wiederau, um als Lehrer und Kantor zu arbeiten. In der Alten Dorfschule befand sich die erste Schule von Wiederau sowie die Wohnung der Lehrerfamilie Eißner. Hier wuchs Clara Zetkin auf, bis sie im Alter von 15 Jahren mit ihrer Familie nach Leipzig zog, um eine Ausbildung zur Lehrerin zu beginnen.

In Leipzig kam sie erstmals intensiv mit der Frauen- und Arbeiterbewegung in Kontakt. Diese war im 19. Jahrhundert keineswegs einheitlich: Während bürgerliche Frauenvereine vor allem Bildungs- und Arbeitsreformen forderten, kämpften sozialistische Frauen für politische Teilhabe und soziale Gleichheit. Clara Zetkin wurde zunächst Mitglied der SPD, schloss sich 1917 der USPD an und gehörte schließlich zu den Mitbegründerinnen der KPD.

Als Journalistin und politische Aktivistin prägte sie die proletarische Frauenbewegung. Sie war unter anderem Chefredakteurin der Zeitschrift „Die Gleichheit“, mit der sie über viele Jahre hinweg Frauen für politische Fragen sensibilisierte und vernetzte. Gemeinsam mit Käthe Duncker setzte sie sich 1910 für die Einführung eines Internationalen Frauentags ein – eine Initiative, die bis heute jedes Jahr am 8. März weltweit begangen wird. Zetkin engagierte sich konsequent für die politische und soziale Gleichstellung von Frauen. Sie forderte gleiche Bildungs- und Arbeitschancen sowie politische Rechte für alle Frauen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft. Ihr Einsatz trug dazu bei, dass 1918 in Deutschland das Frauenwahlrecht eingeführt wurde. Auch darüber hinaus war sie politisch aktiv: Von 1920 bis 1933 gehörte sie als KPD-Abgeordnete dem Reichstag an, engagierte sich in zahlreichen nationalen und internationalen Organisationen und setzte sich als überzeugte Pazifistin gegen Krieg und Militarismus ein. Wegen ihrer Haltung wurde sie mehrfach inhaftiert. 1932 eröffnete sie als Alterspräsidentin den Reichstag – das letzte frei gewählte Parlament der Weimarer Republik. Kurz ging sie nach Moskau ins Exil.

Das Elternhaus in Wiederau steht heute für die demokratiegeschichtliche Bedeutung ihres Wirkens. Die Dauerausstellung wurde 2025 umfassend neu gestaltet und lädt Besucherinnen und Besucher dazu ein, Clara Zetkins Leben aus unterschiedlichen Perspektiven zu entdecken. Ergänzt wird der Erinnerungsort durch eine 1975 aufgestellte Statue. Seit 2017 ist Wiederau zudem als „Frauenort Sachsen“ ausgezeichnet.


zum Ort: Heimat und Natur OV Königshain-Wiederau e. V.

Adresse

Rochlitzer Str. 14
09306 Königshain-Wiederau