Heinrich-Fischer-Haus
Das Heinrich-Fischer-Haus in Hanau-Mittelbuchen wurde 1953 als erstes vom Land Hessen gefördertes Dorfgemeinschaftshaus eingeweiht. „Ideengeber“ im Kabinett von Ministerpräsident Dr. Georg-August Zinn war der damalige Minister für Arbeit, Wirtschaft und Verkehr und spätere Hanauer Oberbürgermeister Heinrich Fischer.
Nach dem Zweiten Weltkrieg fehlte es auf dem Land an Infrastrukturen: an modernen Sanitäranlagen, an Versammlungsräumen, an kulturellen Angeboten. Um die drohende Landflucht aufzuhalten, brachte die SPD-Fraktion 1952 einen Antrag zur „Sozialen Aufrüstung des Dorfes" in den Hessischen Landtag ein. Das „Programm zur Schaffung sozialer Einrichtungen in Landgemeinden“ sollte Dorfgemeinschaftshäuser mit Kühlanlagen, Waschküchen, Badeeinrichtungen, Mostereien und Gemeinschaftsräumen ermöglichen sowie den Ausbau der Familien- und Jugendfürsorge und die Pflege des dörflichen Kulturlebens.
Der damalige Staatsminister für Arbeit, Wirtschaft und Verkehr Heinrich Fischer (1895–1973) wurde zur treibenden Kraft. Fischer, der später von 1956 bis 1962 Oberbürgermeister von Hanau war, warb für die Idee. In einer Schrift von 1954 erinnerte er sich: „Begeisterte Zustimmung fand ich, wenn ich immer wieder erklärte: Die Dorfgemeinschaftshäuser sind Burgen des Friedens, sie sollen der Ausgangspunkt des sozialen und kulturellen Fortschritts in der Gemeinde sein."
Der Landtag stellte 1953/54 zunächst 1,5 Millionen DM bereit, im folgenden Jahr weitere 2,5 Millionen für rund 70 Projekte landesweit. Das Geld floss jedoch nur, wenn die Gemeinden selbst mitanpackten: Eigenmittel, Materialspenden und freiwillige Arbeitsstunden waren Voraussetzung. In Mittelbuchen, damals ein Dorf mit rund 1.650 Einwohnern, leisteten die Bürgerinnen und Bürger über 4.000 unbezahlte Arbeitsstunden. In Hessen entstanden in den folgenden Jahrzehnten rund 1.500 Dorfgemeinschaftshäuser.
Das Ergebnis in Mittelbuchen, seit 1972 Stadtteil von Hanau, war ein Gebäude, das den Alltag spürbar verbesserte: Gemeinschaftsraum mit Bücherei, Nähmaschinen und Rundfunk- und Fernsehempfang, Gemeinschaftswaschanlage mit Mangel, Gemeindebad mit Wannen und Duschen, Einbauküche, Tiefgefrieranlage, Mosterei, dazu Behandlungsraum und Wohnung für die Gemeindeschwester, Wohnung des Hausmeisters und ein Kindergarten mit Spielplatz. Das Heinrich-Fischer-Haus wurde zum Vorbild: Delegationen aus dem ganzen Bundesgebiet besuchten Mittelbuchen.
Das Heinrich-Fischer-Haus dient heute als Bürgerhaus. Der Ortsbeirat und das Ortsgericht tagen hier; der große Saal kann für Feiern und Veranstaltungen gemietet werden. Nebenan befindet sich die Freiwillige Feuerwehr. Eine gusseiserne Tafel im Eingangsbereich erinnert eine gusseiserne Tafel mit den Unterschriften von Ministerpräsident Zinn, Minister Fischer und Bürgermeister Puth an die Gemeinschaftsarbeit.
zum Ort: Stadt Hanau
