Zionskirche
Berlin
Im Herzen Berlins gelegen, wurde die Zionskirche immer wieder zum Sammelpunkt demokratischer und oppositioneller Bewegungen in autoritären Regimen: Von 1931 bis 1933 wirkte hier Dietrich Bonhoeffer, später im Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv, und seit den 1980er-Jahren bot die Kirche DDR-Bürgerinnen und -Bürgern Schutz- und Freiräume für oppositionelle Gruppen – etwa Umwelt-, Friedens- und Menschenrechtsinitiativen.
Die „Umweltbibliothek Berlin“, 1986 in den Kellerräumen des Gemeindehauses der Ost-Berliner Zionskirche in der Griebenowstraße 16 gegründet, wurde zu einem wichtigen Ausgangspunkt oppositioneller Aktivitäten in der späten DDR. Als erste von später rund 30 Umweltbibliotheken verband sie Umwelt-, Friedens- und Menschenrechtsfragen und entwickelte sich zu einem zentralen Ort des Widerstands gegen die SED-Diktatur.
In den 1980er Jahren waren viele DDR-Bürgerinnen und -Bürger für die Belange des Umweltschutzes sensibilisiert. Die gravierende Umweltverschmutzung im Land führte zu einer breiteren Mobilisierung. Neben neu gegründeten Umweltgruppen entdeckten auch Friedensgruppen in der DDR das Umweltthema für sich und erreichten damit viele kritische, andersdenkende junge Menschen. Ihr Engagement ging über Umweltprobleme im engeren Sinne hinaus und schloss Friedens- und Menschenrechtsfragen mit ein.
Unter dem Schutz der Kirche schufen die meist jungen Initiatorinnen und Initiatoren der Umweltbibliothek einen Raum für Information, Austausch und Vernetzung. Sie sammelten verbotene Bücher und Zeitschriften zu Friedens- und Umweltthemen und machten sie zugänglich. Zugleich diente die Bibliothek als Treffpunkt der Opposition: Hier fanden Vorträge, Konzerte und Filmabende statt. In ihrer illegalen Druckerei entstanden zentrale Publikationen der DDR-Opposition, darunter die „Umweltblätter“ (später „telegraph“) sowie weitere Zeitschriften wie der grenzfall. Besonders durch ihre Veröffentlichungen und die überregionale Vernetzung gewann die Umweltbibliothek große Bedeutung.
1998 musste die Bibliothek wegen fehlender finanzieller Mittel schließen. Die Bestände der Bibliothek gingen an die Robert-Havemann-Gesellschaft und die Umweltbibliothek der Grünen Liga. In der Kirche finden nach wie vor kulturelle Veranstaltungen und wechselnde Ausstellungen statt. Sowohl der spätere Widerständler gegen das NS-Regime Dietrich Bonhoeffer als auch die DDR Umweltbewegungen werden auf der Webseite der Kirche thematisiert.
In Zusammenarbeit mit: Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V.
