Franz-Josef Dirksen

Wiege der Bundeswehr

Andernach

Krahnenberg-Kaserne

Am 20. Januar 1956 eröffnete Bundeskanzler Konrad Adenauer in Andernach den ersten Standort der neu gegründeten Bundeswehr. Die junge Bundesrepublik musste der Weltöffentlichkeit sowohl ihre Wehrfähigkeit als auch ihren Bruch mit der nationalsozialistischen Vergangenheit demonstrieren.


In Adenauers Gefolge waren neben Verteidigungsminister Blank der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Altmeier, Generalleutnant Heusinger, Militärattachés aus 17 Staaten und über 200 internationale Journalisten. Adenauer begrüßte die Soldaten und hielt eine wegweisende Ansprache, mit der er die Grundzüge dieser neuen Armee zeichnete. Es gelang seiner Regierung, der Weltöffentlichkeit gegenüber zu demonstrieren, dass die junge Bundesrepublik die Bündnis- und Verteidigungsfähigkeit Deutschlands herstellen wollte, aber gleichzeitig mit der nationalsozialistischen Vergangenheit gebrochen hatte. Seine Regierung bemühte sich, durch Akzeptanz und Anerkennung im NATO-Bündnis die Voraussetzungen für die Wiedererlangung der vollen Souveränität Deutschlands in der internationalen Staatengemeinschaft zu schaffen.

Heute fällt die Abwesenheit von Bundespräsident und Bundestagsvertretern auf. Der Begriff der "Parlamentsarmee" war noch nicht geläufig. Schon bald regte sich aus dem In- und Ausland Kritik über die Wiederverwendung von Offizieren mit Wehrmachts- oder sogar SS-Vergangenheit in den Reihen der neuen Bundeswehr. Der Mythos „saubere Wehrmacht“ und unklare Traditionslinien bestimmten die ersten Jahre dieser neuen Armee. Über die Jahre hinweg entwickelte sich die Bundeswehr zur Armee eines demokratischen Staates. Wie schon in der Weimarer Republik wird den Soldaten das Wahlrecht garantiert. Das Leitbild des "Bürgers in Uniform" war geboren. Der Bundestag muss, anders als in den meisten anderen Staaten, allen Einsätzen der Bundeswehr zustimmen.

Von den originär 37, noch im Nationalsozialismus erbauten Baracken existiert heute nur noch eine. Diese wurde renoviert und steht in der heutigen Krahnenberg Kaserne unter Denkmalschutz. Die Baracke wird auch die „Wiege der Bundeswehr“ genannt und beherbergt neben einigen originalen Gegenständen aus der Frühzeit der Bundeswehr eine interaktive Dauerausstellung. Ziel dieser Ausstellung ist es, die Zeitzeugen zu Wort kommen zu lassen und ihre Lebenslage und ihre Motive zu verstehen. Dargestellt werden das sicherheitspolitische Umfeld, die Diskussionen um die Wiederbewaffnung, die parallele Entwicklung der konzeptionellen Grundlagen für die neuen deutschen Streitkräfte wie dem Prinzip „Staatsbürger in Uniform“ und der „Inneren Führung“. Daneben gibt es regelmäßig wechselnde Wanderausstellungen, etwa zum "Mythos Fallschirmjäger".

Gäste des Ortes werden mit Fragen zur Ausgangslage der Bundeswehr, aber auch zum derzeitigen Stand der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik konfrontiert. Es soll diskutiert werden, daher verfügt die Baracke auch über einen Seminarraum, den auch Bundeswehr-ferne Institutionen gerne nutzen. Die Baracke liegt auf dem Gelände der Krahnenberg-Kaserne. Ein Besuch des Ortes ist daher nur mit vorhergehender Anmeldung möglich.

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