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Unternehmerin, Parlamentarierin und Salondame

Katharina von Kardorff-Oheimb

2.1.1879 - 22.3.1962

Einst als "Zierde des Parlaments" bezeichnet, verstand es die Unternehmerin Katharina von Kardorff-Oheimb auf außergewöhnliche Weise, Einfluss auf die Politik zu nehmen. Nicht nur durch ihre Tätigkeit für die Deutsche Volkspartei (DVP), sondern auch durch Fortbildungen, Publikationen und das politische Netzwerken in ihrem Berliner Salon setzte sie sich für Gleichberechtigung und gleiche Chancen in der Gesellschaft ein.


Als Tochter eines Großfabrikanten genoss Katharina von Kardorff-Oheimb (geb. von Endert) eine umfassende Ausbildung. Bildungsreisen ins Ausland, Unterrichtung im gesellschaftlichen Umgang durch eine Anstandslehrerin, aber auch die Einführung in Buchhaltung und Unternehmensführung bildeten die Grundlagen für ihre außergewöhnliche berufliche wie gesellschaftliche Karriere. Außergewöhnlich war auch ihr weiterer familiärer Lebensweg: Insgesamt war Katharina von Kardorff-Oheimb vier Mal verheiratet und verlor aufgrund des damaligen Scheidungsrechts auch das Sorgerecht für einige ihrer Kinder. Viele Zeitgenossen wie spätere Nachrufe übertrugen dieses Bild einer eigenwilligen Frau auf von Kardorff-Oheimbs politische Tätigkeit. Tatsächlich war ihr Engagement vielfältig: Sie gründete verschiedene Frauenvereine und Bildungseinrichtungen, saß für die DVP von 1920 bis 1923 im deutschen Reichstag und engagierte sich politisch im "Privaten" über ihren Berliner Salon.

Allerdings entzieht sich von Kardorff-Oheimbs politische Haltung eindeutigen Zuteilungen. Als Teil des nationalliberalen Spektrums im Reichstag stand sie im engen Austausch mit Kollegen wie Gustav Stresemann. Gleichzeitig engagierte sie sich, auch über ihre eigenen familiären Erfahrungen, im Bund für Mutterschutz von Helene Stöcker und publizierte verschiedene Schriften, in denen sie auch Positionen jenseits des großbürgerlichen Milieus bezog. Als eine Art politische Mäzenin veranstaltete sie Seminare politischer Bildung, Frauenkreise und Vortragsreihen. Ihr Salon in Berlin galt zudem als einer der wichtigsten Vernetzungspunkte der städtischen Politik, Industrie und Kultur. Bis kurz vor der nationalsozialistischen Machtergreifung pflegte sie hier den Austausch über konfessionelle und nationale Grenzen hinweg. Nach dem Zweiten Weltkrieg engagierte sich Katharina von Kardorff-Oheimb kurzzeitig in der Liberaldemokratischen Partei (LDP) in der Sowjetischen Besatzungszone, siedelte aber 1949 nach Düsseldorf über. Gegen Ende ihres Lebens galt ihr politisches Engagement der Frauenfriedensbewegung und dem Widerstand gegen die deutsche Wiederbewaffnung.

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