Bundesarchiv, B 145 Bild-F049586-0029 / Detlef Gräfingholt / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0 / CC BY-SA 3.0 DE

Demokratie als gemeinsame Verantwortung

Hildegard Hamm-Brücher

11.5.1921 - 7.12.2016

Eine unbequeme Frau? Für Hildegard Hamm-Brücher war diese Etikettierung eine positive Bestätigung ihres demokratischen Engagements, sich gerade auch in einer von Männern dominierten Politik immer wieder aktiv einzumischen. Über Jahrzehnte hat sie dabei auf Landes- und Bundesebene für liberale Grundwerte, für soziale Gleichstellung sowie für die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau gestritten.


Hildegard Hamm-Brücher, die früh ihre Eltern verloren hatte und während des Nationalsozialismus durch den Status als ‚Halbjüdin‘ immer wieder von Verfolgung bedroht war, trat nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Wunsch nach aktiver demokratischer Mitgestaltung in die FDP ein. 1948 wurde sie die deutschlandweit jüngste Stadträtin mit der Wahl in den Münchner Stadtrat, 1950 jüngste bayerische Landtagsabgeordnete. In ihrer Wahlheimat Bayern eckte sie, selbst promovierte Chemikerin, als Politikerin immer wieder an: Mal war es die CSU bei Themen wie konfessioneller Bildung, mal ihre eigene Partei, die Hamm-Brüchers politischen Einfluss zu verhindern suchte. Gleichzeitig gewann sie über die Grenzen Bayerns hinaus an Einfluss und Popularität, unter anderem wurde sie 1967 Staatsekretärin im hessischen Kultusministerium und bekleidete im Anschluss verschiedene Ämter auf Bundesebene.

Dass Hamm-Brücher unbequem und sich selbst treu blieb, zeigte sich 1982: Während die FDP das Misstrauensvotum gegen Helmut Schmidt unterstützte, protestierte sie vehement im Bundestag und beteiligte sich nicht an der liberal-konservativen Regierungskoalition unter Helmut Kohl. Wegen ihres vielfältigen Einsatzes für eine demokratische Gesellschaft, die Verantwortung übernimmt und Zivilcourage zeigt, wurde Hamm-Brücher immer wieder ausgezeichnet und 1994 als erste Frau für das Amt des Bundespräsidenten aufgestellt. Ebenso setzte sie sich aus der eigenen Erfahrung von Verfolgung und prägenden Kontakten zur Weißen Rose während der NS-Zeit ihr Leben lang für die Aufarbeitung nationalsozialistischer Verbrechen und die Würdigung des Widerstands gegen Hitler ein. 2002 schließlich brach sie wegen antiisraelischer Äußerungen des damaligen Parteivizevorsitzenden Jürgen Möllemann mit ihrer eigenen Partei.

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