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Sozial und Liberal

Elly Heuss-Knapp und Theodor Heuss

25.1.1881 - 19.7.1952 und 31.1.1884 - 12.12.1963

Bereits vor ihren Ämtern als erster Bundespräsident bzw. erste First Lady der Bundesrepublik gehörten Theodor Heuss und Elly Heuss-Knapp zu den zentralen liberalen Köpfen Deutschlands. Während des späten Kaiserreichs, in der Weimarer und schließlich in der Bonner Republik setzten sie sich für demokratische Grundprinzipien und einen sozialen Liberalismus ein, Heuss als Parlamentarier und Publizist, Heuss-Knapp als Politikerin und Sozialreformerin.


Zeit ihres Lebens verband Elly Heuss-Knapp und Theodor Heuss eine partnerschaftliche Beziehung. Bei ihrer Hochzeit im April 1908 hatten beide bereits berufliche Erfahrungen gesammelt, Heuss als Journalist und Wahlkampfleiter, Knapp als Sozialarbeiterin und Lehrende. In der Folge unterstützte Theodor Heuss seine Frau weiter in ihren beruflichen Projekten, verschaffte ihr Vortragsmöglichkeiten und half mit Korrekturarbeiten zu Publikationen. Umgekehrt hielt Elly Heuss-Knapp ihrem Mann im Haushalt den Rücken frei, akzeptierte seine häufigen Reisen für Vorträge und gab selbst Tätigkeitsfelder auf, wenn die Arbeit Heuss‘ einen Umzug notwendig machte.

Die Eheleute Heuss wurden wichtige Unterstützer Friedrich Naumanns, in dessen Kreis sie sich kennengelernt hatten, und traten nach seinem Tod 1919 beide ebenfalls in die Politik ein. Theodor Heuss war ab 1924 mit Unterbrechungen bis 1933 Reichstagsabgeordneter für die Deutsche Demokratische Partei (DDP) und deren Nachfolgepartei, die Deutsche Staatspartei. Hier stimmte er im März 1933 auch für das Ermächtigungsgesetz, allerdings mehr aus Fraktionszwang als aus Befürwortung. In den Jahren zuvor hatte er sich als Redner und Publizist - vor allem mit seiner Studie Hitlers Weg (1932) - gegen die Nationalsozialisten positioniert, jedoch auf ihre Überwindung durch rechtsstaatliche Mittel und parlamentarische Prinzipien vertraut. Nach der nationalsozialistischen "Machtergreifung" zog sich das Ehepaar Heuss ins Private zurück, wobei sie jedoch immer wieder Berührungspunkte zum zivilen Widerstand gegen Hitler hatten.

Als ‚unbelasteter Demokrat‘ wurde Theodor Heuss 1945 von den amerikanischen Besatzern ausgemacht. Sein Weg führte ihn über die Arbeit am Grundgesetz im Parlamentarischen Rat und die Gründung der FDP schließlich im September 1949 in das Amt des ersten Bundespräsidenten. In dieser Funktion gestaltete Heuss das Amt maßgeblich für seine Nachfolger, mit einem bürgerlich-erzieherischen, reflektiven und volksnahen Auftreten widmete er sich in Reden und Schriften den Leitlinien eines demokratischen Neuanfangs. Zu diesem Zeitpunkt war Elly Heuss-Knapp bereits gesundheitlich schwer angeschlagen. Das hinderte sie jedoch nicht daran, als First Lady das Muttergenesungswerk zu gründen, dessen Schirmherrschaft nach ihrem Tod 1952 von Theodor Heuss übernommen wurde und seitdem von ihren Nachfolgerinnen betreut wurde.

 

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