Ullstein Bild / Heritage Images /Gemälde von Johann Baptist Reiter

Emanzipiert und radikaldemokratisch

Louise Aston

26.11.1814 - 21.12.1871

Zeit ihres Lebens hafteten der Schriftstellerin Louise Aston zwei Vorwürfe an: Zum einen galt sie mit einer radikal-demokratischen Ausrichtung als subversiv, zum anderen traf sie durch ihr emanzipiertes Auftreten auf Ablehnung. Als Prototyp weiblicher Selbstbestimmung gilt sie noch heute als eine der frühen Frauenrechtlerinnen.


Mit 19 Jahren wurde Louise Hoche, die als Tochter eines Theologen im Kreis Madgeburg aufgewachsen war, mit dem englischen Fabrikanten Samuel Aston verheiratet. Doch die Ehe war äußerst unglücklich; Aston verließ ihren Mann kurz darauf und die Ehe wurde 1838 geschieden. Kurz darauf zog sie nach Berlin, wo die Schriftstellerin bald Aufsehen durch ihren Umgang mit Revolutionären auslöste. Da sie in "wilder Ehe" mit dem Schriftsteller Rudolph Gottschall lebte, Männerkleidung trug, Zigarre rauchte und Kneipen frequentierte, wurde sie immer wieder bei der Polizei angezeigt und mit sexistischen Vorwürfen überzogen.

Als Aston für ihr 'unsittliches' Verhalten aus Berlin ausgewiesen wurde, ging sie mit ihrem Protest an die Öffentlichkeit: Ihr Roman Meine Emanzipation, Verweisung und Rechtfertigung von 1846 forderte eine Debatte zur Gleichstellung der Frau, zur Meinungsfreiheit und zur Selbstbestimmung. In ihren Schriften bezeichnete sie die Ehe als Eigentumsverhältnis zu Lasten der Frau; ein Grund, warum sie auch den meisten anderen Frauenrechtlerinnen ihrer Zeit zu radikal war. Während der Märzrevolution beteiligte sich Aston schließlich an den Aufständen in Berlin und Schleswig-Holstein. Sie nutzte im Anschluss die revolutionäre Atmosphäre für die Herausgabe einer eigenen Zeitschrift, Der Freischärler, in der sie neben Regimekritik auch die Frage weiblicher Emanzipation aufgriff. Im Dezember 1848 erneut aus Berlin ausgewiesen, ließ sie sich schließlich in Bremen nieder und beteiligte sich dort an demokratischen Vereinen.