Liberales Engagement für soziale Frauenrechte

Marie-Elisabeth Lüders

25.6.1878 - 23.3.1966

Marie-Elisabeth Lüders war Fürsorgerin, Sozialreformerin, Abgeordnete und erste promovierte Volkswirtin Deutschlands. In ihrem ganzen Schaffen vom Ende des Kaiserreiches bis in die frühe Bundesrepublik widmete sie sich der sozialen wie rechtlichen Gleichstellung und brach dabei immer wieder institutionelle Geschlechtergrenzen ein.


In eine Berliner Beamtenfamilie geboren, genoss Marie-Elisabeth Lüders eine außergewöhnlich umfassende Grund- und Weiterbildung. Als eine der ersten Studentinnen des Kaiserreichs gelang ihr 1912 ein akademischer Meilenstein: An der Universität Berlin wurde sie nach ihrem Studium der Nationalökonomie zur ersten deutschen Dr. rer. pol. promoviert. Diese Arbeit und ihre anschließenden Tätigkeiten im Fürsorgebereich machten Lüders derart bekannt, dass ihr während und nach dem Ersten Weltkrieg Ministeriumsaufgaben zur Fürsorge von Arbeiterinnen übertragen wurden. Zudem trat sie 1919 in die Politik ein: Für die Deutsche Demokratische Partei (DDP) zog sie in die Weimarer Nationalversammlung ein und war anschließend mit Unterbrechungen bis 1930 Reichstagsabgeordnete. Als Weimarer Politikerin und Frauenrechtlerin engagierte Lüders sich im Parlament nicht nur in den ‚klassisch‘ weiblichen Themenfeldern von Fürsorge und Familie, sondern betätigte sich auch in ausschließlich von Männern besetzten Ausschüssen zur Rechtsprechung, Finanz- und Wirtschaftspolitik.

Innerhalb der DDP distanzierte sich Lüders immer wieder von offiziellen Parteilinien, etwa 1930 über die zwischenzeitliche Fusion der DDP mit dem rechtsextremen Jungdeutschen Orden. Ein Jahr später verlor sie als Gegnerin der Nationalsozialisten alle Ämter, 1937 wurde sie kurzzeitig inhaftiert und kam erst auf Druck von Frauenorganisationen frei. Die NS-Zeit verbrachte sie vor allem mit wissenschaftlichen und fürsorgerischen Tätigkeiten. Nach dem Krieg engagierte sie sich erneut im Aufbau des Liberalismus in der Bundesrepublik. Zunächst wirkte sie in Berlin als Stadtverordnete und Stadträtin für Soziales, bevor sie 1953 für die FDP in den Deutschen Bundestag einzog. Hier nahm sie bis zu ihrem Ausscheiden 1961 noch einmal entscheidenden Einfluss auf die Gleichstellung in der Rechtsprechung von Mann und Frau. Zudem eröffnete sie 1953 und 1957 als Alterpräsidentin den Bundestag; bis heute ist sie die einzige Frau, die dieses Amt bekleidete.