© Stadtarchiv Stuttgart 9200 Fotosammlung F 8965 // CC BY-SA 3.0 DE

Sozialmäzen für gleiche Bildungs- und Erwerbschancen

Eduard Pfeiffer

24.11.1835 - 13.5.1921

Mit einem breiten Angebot an Fürsorge- und Bildungseinrichtungen widmete sich der Bankier und Mäzen Eduard Pfeiffer der sozialen Lage benachteiligter Schichten. Daneben übertrug er das englische Genossenschaftswesen auf Deutschland und betätigte sich zudem als Parlamentarier im Württembergischen Landtag.


Als Kind eines jüdischen Hofbankdirektors wurde Eduard Pfeiffer früh in die Geschäftswelt eingeführt, aber ebenso bald auch mit der Erfahrung antisemitischer Diskriminierung konfrontiert. Dabei konnte die Familie für sich schon erste Grundrechte erstreiten: Sein Vater war der erste jüdische Mitbürger, der in Stuttgart das Recht auf Wohnsitz erhielt. Eduard Pfeiffer studierte in Leipzig, Halle und Berlin Nationalökonomie und Finanzwissenschaft. Auf einer seiner vielen Reisen durch Europa lernte er 1862 in England das Genossenschaftswesen kennen. Ein Jahr später veröffentlichte er dazu die Schrift Über Genossenschaftswesen, in der er für eine Verzahnung von staatlichen Reformen und Arbeiterselbsthilfe eintrat. Fast zeitgleich gründete er in Stuttgart die erste Konsumgenossenschaft Deutschlands. Ähnliche Pionierarbeit leistete er 1865 mit der Einrichtung eines Büro für Arbeitsnachweis, eine nicht-kommerzielle Einrichtung der Arbeitsvermittlung.

Mit weiteren Projekten kümmerte sich Eduard Pfeiffer in und um Stuttgart um die Verbesserung der Lage benachteiligter Bevölkerungsschichten – Arbeiter, aber auch Handwerker, Kleingewerbetreibende und Beamte. So stiftete er Volksbibliotheken, Ledigenheime, Säuglingsheilanstalten. Mit dem von ihm 1866 gegründeten Verein für das Wohl der arbeitenden Klassen setzte er zudem ganze Siedlungsprojekte um. Für Pfeiffer bedeutete die wirtschaftliche und soziale Gleichstellung der "kleinen Leute" gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen auch eine Möglichkeit, diese von den radikalen Forderungen der anwachsenden Arbeiterbewegung fernzuhalten. 1866 zog er darüber hinaus als erster jüdischer Parlamentarier für die von ihm mitbegründete Deutsche Partei in die zweite Kammer des Württembergischen Landtags ein.