© Bundesarchiv, Bild 183-U0810-0501 // Bundesarchiv, Bild 146-1975-068-26A

Für die bürgerliche Emanzipation der Frau

Helene Lange und Gertrud Bäumer

9.4.1848-13.5.1930 und 12.9.1873-25.3.1954

Helene Lange und Getrud Bäumer vertraten den gemäßigten Flügel der Frauenbewegung; sie setzten sich vor allem für gleichberechtigende Bildungschancen sowie eine rechtliche Gleichstellung im Ehe- und Familienrecht ein.


Helene Lange wie Gertrud Bäumer stießen über das Engagement als Lehrerinnen zur Frauenbewegung. Helene Lange war über Berliner Kreise der deutschen Frauenbewegung nahe gekommen und hatte sich früh im Bereich der Bildung engagiert. 1887 verfasste sie die Schrift Die höhere Mädchenschule und ihre Bestimmung, ein öffentlichkeitswirksamer Aufhänger, mit dem sie 1888 bei der preußischen Regierung um gleiche Bildungschancen, aber auch die Selbstbestimmung der Frauen über das Feld der Mädchenbildung warb. Auch wenn dieser Vorstoß zunächst politisch erfolglos war, brachte diese Schrift Lange genug Aufmerksamkeit, entsprechende Forderungen durch Seminargründungen und weitere Vereine voranzutreiben. 1893 gründete sie zudem die Zeitung Die Frau als einflussreiches Medium der bürgerlichen Frauenbewegung.

1890 gehörte Helene Lange zu den Gründerinnen des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins, 1894 war sie zudem an der Gründung des Bund Deutscher Frauenvereine (BDF) in Berlin beteiligt. Im Zuge dieser verschiedenen Initiativen lernten sich Gertrud Bäumer und Helene Lange kennen. Bäumer kümmerte sich bald um die Pflege der bereits an einem Augenleiden erkrankten Lange. Gemeinsam befürworteten sie ein bürgerliches Bild der Frau, das stark von der Idee geleitet war, dass Frauen nicht eine Rolle gleich den Männern anstreben, sondern spezifisch weibliche Felder wie die Mutterschaft, Erziehung und Familienführung stärker besetzen sollten, um so Politik wie Gesellschaft weiter auszugestalten. Über dieses Differenzdenken gehörten beide auch zu denjenigen der Frauenbewegung, die zunächst skeptisch auf die Idee eines Frauenwahlrechts schauten.

Beide verband darüber hinaus auch die Zustimmung zu einem starken Nationalstaat, der jedoch vor allem die Integration der Frauenbewegung verfolgen sollte. Als Lange 1919 als Alterspräsidentin die Hamburger Bürgerschaft eröffnete, forderte sie daher auch "eine restlos demokratische Grundlage" für die Weimarer Republik. Zur gleichen Zeit trat Bäumer in die Reichspolitik ein und hielt für die Deutsche Demokratische Partei (DDP) ein Reichstagsmandat bis 1932. Sie wurde zudem als erste Frau in das Amt einer Ministerialrätin gerufen; im Reichsinnenministerium kümmerte sie sich in dieser Funktion um Jugend- und Bildungseinrichtungen. Lange verstarb 1930; Getrud Bäumer hatte sie bereits zuvor in einigen zentralen Positionen wie dem Vorstand des BDF (1910) und der Herausgabe der Frau (1916) abgelöst. Als 1933 die Nationalsozialisten die Macht übernahmen, wurde Bäumer zwar allen Ämtern enthoben, akzeptierte aber eine Gleichschaltung von Organen wie Die Frau und fand sich mit völkisch-romantischen Verklärungen in die Linie der Nationalsozialisten ein. Dafür wurde sie nach 1945, als sie eine erneute Beteiligung am Aufbau der Frauenbewegung anstrebte, von den meisten ehemaligen Weggefährtinnen kritisiert und isoliert.

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