Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schmeiser 16398

Aufrechter Anwalt und Streiter für die Demokratisierung des Rechts

Ludwig Marum

5.11.1882 - 29.3.1934 (ermordet)

Der Jurist Ludwig Marum gehörte zu den konsequentesten Verfechtern von Rechtsstaatlichkeit in der Weimarer Republik. Im Parlament und vor Gericht setzte er sich immer wieder für eine faire Rechtsprechung und Gleichberechtigung ein. Als einer der exponiertesten Sozialdemokraten der Weimarer Republik wurde er kurz nach der nationalsozialistischen Machtübernahme verhaftet und ermordet.


Aufgrund seiner jüdischen Herkunft mit Diskriminierung konfrontiert, aber auch über die familiäre Erfahrung von Armut wandte sich Ludwig Marum früh der sozialdemokratischen Bewegung zu. Nach einem Jurastudium trat er 1904 der SPD bei und verteidigte nach seiner Niederlassung als Anwalt in Karlsruhe immer wieder benachteiligte und mittellose Mandanten. Seit 1911 Stadtverordneter in Karlsruhe, zog er 1914 in den Badischen Landtag ein und machte sich hier schnell in Rechtsausschüssen einen Namen.

Während der Novemberrevolution 1918 gestaltete Marum die Demokratisierung des Landes Baden maßgeblich mit. Dabei konnte er als Vertreter des reformistischen Flügels der SPD zwischen bürgerlichen mit sozialdemokratischen Gruppen vermitteln. Zunächst Justizminister der provisorischen Landesregierung und Mitglied der Badischen Verfassungsgebenden Nationalversammlung, blieb er im Anschluss in der Landesregierung als Staatsrat und übernahm bis 1928 den SPD-Fraktionsvorsitz im Badischen Landtag. Hier und ab 1928 als Abgeordneter im Reichstag forderte Marum Rechtssicherheit, Ausgleich und Gleichstellung. So setzte er sich unter anderem für die Abschaffung der Todesstrafe und ein Ende der Diskriminierung unehelicher Kinder ein.

Da er früh öffentlich Stellung gegen die Feinde der Weimarer Republik bezog und eine wehrhafte Demokratie forderte, wurde Marum von rechter Seite mit diffamierenden und antisemitischen Anfeindungen überzogen. Bereits vor dem Ermächtigungsgesetz wurde er entgegen seines Rechts auf politische Immunität als Reichstagsabgeordneter am 10. März 1933 von den Nationalsozialisten in 'Schutzhaft' genommen und einige Wochen später in einer entwürdigenden Schaufahrt mit anderen politischen Gegnern ins Konzentrationslager Kislau gebracht. Bis zuletzt glaubte Marum an einem Sieg der rechtsstaatlichen Demokratie gegenüber dem Faschismus und schlug auch eine Flucht aus. Am 29. März 1934 wurde er von NS-Schergen im Auftrag des badischen Reichsstatthalters Robert Wagner in Kislau ermordet.