Schützer parlamentarischer Kultur in turbulenten Zeiten

Paul Löbe

14.12.1875 - 3.8.1967

Von Paul Löbe wurde in der Bundesrepublik die Erfahrung der Weimarer Republik als „Eine Demokratie ohne Demokraten“ beschrieben. Mit seinem Schaffen als Reichstagpräsident und schließlich Alterspräsident des Deutschen Bundestags repräsentierte Löbe die parlamentarischen Traditionslinien der Weimarer Zeit in der neuen Bundesrepublik.


Paul Löbe wuchs in Breslau in ärmlichen Verhältnissen auf. Über eine Lehre zum Typographen fand er Zugang zu journalistischen Kreisen und schrieb bereits mit 16 Jahren seine ersten Artikel für die sozialdemokratischen Zeitung Volkswacht. Dort fing er 1899 hauptberuflich als Redakteur an. Bereits kurz darauf wurde er für Beleidigungen preußischer Institutionen zu mehreren Monaten Gefängnis verurteilt. Im Anschluss trat Löbe der SPD bei, saß ab 1904 im Breslauer Stadtrat und errang 1915 ein Mandat für den Provinziallandtag in Schlesien. Als Unterstützer Bernsteins im Revisionismusstreit gehörte Löbe zum rechten Flügel der Partei.

Als er 1920 in den Reichstag gewählt wurde, übernahm Löbe das Amt des Reichstagspräsidenten. Seine kollegiale Art und sein Bemühen, Konsens und Zusammenarbeit über Parteigrenzen zu ermöglichen, brachte ihm großen Zuspruch ein. So wurde Löbe ab 1933 durch die nationalsozialistischen Verfolgung vergleichsweise verschont, aber wurde dennoch zwischenzeitlich im KZ Breslau-Dürrgoy inhaftiert. Über den frühen Kontakt zu Wilhelm Leuschner hielt Löbe während der NS-Zeit Kontakt zum Widerstand um Carl Goerdeler, konnte jedoch dem Kreis der Verschwörer nach dem 20. Juli nicht zugerechnet werden. Nach dem Krieg wurde er für Berlin in den Parlamentarischen Rat berufen und eröffnete schließlich den Bundestag als Alterspräsident am 7. September 1949. Seine Rede war insofern aufsehenerregend, da er den antifaschistischen Widerstand gegen Hitler als patriotischen Akt bezeichnete und den 24 Todesopfern aus seiner Weimarer Reichstagsfraktion gedachte.

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