Julius und Annedore Leber Archiv

Sozialdemokratische Kämpfer

Annedore und Julius Leber

18.3.1904 - 24.10.1968 und 16.11.1891 - 5.1.1945 (Hingerichtet)

Annedore und Julius Leber gehörten zu den bedeutendsten Figuren des sozialdemokratischen Widerstands gegen Hitler, Julius Leber wurde als einer der Verschwörer des 20. Juli von den Nationalsozialisten ermordet. Annedore Leber war zudem eine der wenigen Stimmen in der frühen Bundesrepublik, die eine Rehabilitation der NS-Opfer in Westdeutschland forderte.


Julius Leber begann zunächst eine Lehrlingsausbildung in einer Tapetenfabrik, konnte jedoch im Nachgang das Abitur nachholen und studierte anschließend Geschichte und Nationalökonomie. Nachdem er als Soldat im Ersten Weltkrieg und bei der anschließenden Niederschlagung des Kapp-Putsches gewirkt hatte, verließ er 1920 das Militär und wurde ein Jahr später Redakteur der sozialdemokratischen Zeitung Lübecker Volksbote in der Hansestadt. Hier lernte er Annedore Rosenthal kennen, Tochter aus wilhelminisch-bürgerlichem Haus, die ihr Jura-Studium zugunsten einer Geschäftslaufbahn aufgegeben hatte. Beide engagierten sich in der sozialdemokratischen Bewegung, Julius Leber wurde hier auch zum Mentor für den jungen Willy Brandt.

Als bekannter Gegner der Nationalsozialisten wurde Julius Leber bereits 1933 verhaftet – ein rechter Mordanschlag auf ihn war kurz zuvor gescheitert – und verbrachte die folgenden Jahre in verschiedenen Konzentrationslagern und Gefängnissen. 1937 aus der Haft entlassen, ließ sich das Ehepaar Leber in Berlin nieder und eröffnete dort eine Kohlehandlung, die als konspirativer Ort den Widerstandskreisen um Carl Goerdeler und um Helmuth James von Moltke diente. Letztere Widerstandsgruppe formulierte hier erstmals Grundrechte des Einzelnen für die Zeit nach der nationalsozialistischen Herrschaft. Im August 1943 schrieb die Gruppe in ihren „Grundsätzen zur Neuordnung“ von der „unverletzlichen Würde der menschlichen Person“. Bereits am 5. Juli 1944 wurde Julius Leber verhaftet und nach dem Scheitern des 20. Juli 1944 zum Tode verurteilt. Am 5. Januar 1945 wurde er in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Nach dem Krieg hielt Annedore Leber die Erinnerung an die Widerstandskämpfer durch öffentliche Reden und Schriften wach. Gleichzeitig leistete sie einen wichtigen Beitrag zur frühen Demokratisierung der Frauen, indem sie mit ihrer Zeitung Mosaik erste Versuche politischer Bildung unternahm.

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