© Bundesarchiv, Bild 183-L40010 / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0 / CC BY-SA 3.0 DE (Bildausschnitt)

Bürgerlicher Einsatz für die Republik

Walther Rathenau

29.9.1867 - 24.6.1922 (ermordet)

Rathenau kam über die Umwege von Unternehmertum und Publizistik erst spät zu einer klassischen politischen Tätigkeit. Sein Engagement für die Demokratie blieb dabei ambivalent, seine Vorstellungen gerade vor dem Ersten Weltkrieg ähnelten mehr einer Technokratie denn einer repräsentativen Demokratie, seine kulturkritischen Arbeiten zu einer sozialen Modernisierung des Kapitalismus brachten ihm zudem wenig Zuspruch. Dennoch gilt er durch sein Engagement als Außenminister als einer der führenden Köpfe der Weimarer Republik, sein Mord als Angriff auf die parlamentarische Demokratie.


Als Sohn des Firmengründers der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft (AEG), Emil Rathenau, wurde Walther Rathenau mitten in die Welt der Industrialisierung geboren. Nachdem er sich selbst zum Unternehmer entwickelt hatte, machte Rathenau schnell die Erfahrung, dass trotz seiner erfolgreichen Anstrengungen seine jüdische Herkunft mehr zählte als sein Beitrag zum Fortschritt des Kaiserreichs. Daher äußerte er sich vermehrt in der politischen Presse, dass neben den bestehenden preußischen Eliten auch neue Gruppen in die Verwaltung und Herrschaftsapparate drängen und so neue Teilhaberechte erkämpft werden sollten. Dabei war er noch unentschieden, ob eine solche Veränderung weiterhin in einer Monarchie vollzogen werden solle, oder ob eine Hinwendung zur parlamentarischen Regierung die geeignetere Lösung sei. Eine gewisse Unentschlossenheit zeigte sich auch in Rathenaus Blick auf die kapitalistische Moderne: Während er selbst als Industrieller handelte und materiellen Wohlstand genoss, rieb er sich in seinen Schriften an den Auswüchsen der Industriegesellschaft und forderte immer wieder soziale wie politische Reformen für eine gerechtere Gesellschaft.

Im Ersten Weltkrieg ergriff Rathenau erneut die Chance, sich politisch einzubringen. Er wies die deutsche Regierung auf wirtschaftliche Fehlplanungen in Rohstoffen und Materialversorgung hin und leitete kurzzeitig ein daraufhin eingerichtetes Ressort. Während er imperialistische und nationalistische Kriegspläne unterstützte, entwarf er gleichzeitig mit seinen Büchern Von kommenden Dingen (1917) und Die neue Wirtschaft (1918) erste Konzepte einer technokratischen Nachkriegsordnung, die mithilfe staatlicher Strukturen das Wohlergehen ebenso wie die Freiheiten und Interessen der Gemeinschaft stärken sollten. Mit Ende des Kaiserreichs hoffte Rathenau, nun als politischer Sachverständiger Einfluss nehmen zu können. Zwar verfehlte er einen Einzug in den Reichstag als Deutsche Demokratische Partei (DDP)-Abgeordneter und wurde zunächst für seine Vorschläge einer neuen Wirtschaftsordnung von links wie rechts angegriffen. Schließlich holte man ihn jedoch als Wirtschaftsberater und anschließenden Außenminister im Kabinett Joseph Wirths in die Regierung. Hier fiel ihm die Rolle zu, die Bestimmungen des Versailler Vertrags ausführen zu müssen, was ihn wiederum zur Hassfigur der Rechten werden ließ. Am 24. Juni 1922 wurde Walther Rathenau in Berlin ermordet.

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