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Für eine christlich-soziale Demokratie

Christine Teusch und Joseph Wirth

11.10.1888-24.10.1968 und 6.9.1879-3.1.1956

Obwohl sie ihre Verlobung in den frühen 1920er Jahren nach einiger Zeit lösten, verband doch Christine Teusch und Joseph Wirth eine langjährige Freundschaft und politische Partnerschaft. Als führende Köpfe des Zentrums gestalteten sie dessen Linie in der Weimarer Republik entscheidend mit und standen vor wie nach 1945 für eine christlich-soziale Demokratie. Während Christine Teusch als deutschlandweit erste Landesministerin den demokratischen Wiederaufbau begleitete, waren es beim früheren Reichskanzler Joseph Wirth vor allem seine Bestrebungen einer Annäherung gegenüber Ostdeutschland, die sein politisches Engagement nach dem Zweiten Weltkrieg bestimmten.


Aus einer katholischen Kaufmannsfamilie stammend, absolvierte Christine Teusch zunächst eine Ausbildung zur Lehrerin. Während des Ersten Weltkriegs wurde sie für die Gründung eines Frauendezernats in die christlichen Gewerkschaften gerufen. Über diese Verbindung kandidierte sie 1919 erfolgreich für das Zentrum für die Weimarer Nationalversammlung und erlangte im Anschluss ein Mandat im Reichstag. In Berlin lernte sie Joseph Wirth kennen. Der badischer Finanzminister war in der Nachfolge von Matthias Erzberger als Reichsfinanzminister der Regierung Hermann Müller gerufen worden. 1921 wurde Wirth mit 41 Jahren als bis dahin jüngster Reichskanzler vereidigt. In seiner Kanzlerschaft bemühte er sich um eine Kooperation mit liberalen und sozialdemokratischen Kräften, dies auch als Reaktion auf die politischen Morde an Erzberger und Walther Rathenau, die während seiner Regierungszeit die Weimarer Republik erschütterten.

Joseph Wirth, der sich immer wieder öffentlich gegen die Nationalsozialisten positionierte, emigrierte bereits im Frühjahr 1933 über Österreich und Frankreich in die Schweiz. Im Exil bemühte er sich, in katholischen Kreisen eine Gegenposition zum Antisemitismus zu etablieren. Seit Kriegsbeginn nutzte er zudem diplomatische Wege, um antifaschistische Kräfte gegen Hitler zu mobilisieren. 1945 entstand zudem aus seiner Zusammenarbeit mit führenden sozialdemokratischen Politikern die Arbeitsgemeinschaft "Das Demokratische Deutschland", die für die Zeit nach dem Nationalsozialismus Konzepte einer demokratischen Neugestaltung vorlegte.

Christine Teusch, die während der Weimarer Republik besonders als Sozialpolitikerin für Frauenrechte gestritten hatte, zog sich 1936 von ihrer Arbeit als Lehrerin zurück und engagierte sich im Privaten weiter im katholischen Verbandswesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie von den britischen Behörden als 'unbelastete Demokratin' ausgemacht und wurde in verschiedene provisorische Landesgremien Nordrhein(-Westfalens) berufen. Als Kultusministerin in der Regierung Karl Arnold wurden sie 1947 erste Ministerin eines Flächenlandes (erste Landesministerin bundesweit war die Hamburger Jugendsenatorin Paula Karpinski). Während sich Teusch im Wiederaufbau der CDU engagierte, isolierte sich Wirth zunehmend über eine Politik der Verständigung gegenüber Ostdeutschland, die ihn von alten Weggefährten entfremdete. Gemeinsam mit anderen politischen Größen der Weimarer Zeit wie etwa Katharina von Kardorff-Oheimb gründete er 1953 den "Bund der Deutschen, für Einheit, Frieden und Freiheit", eine kommunistisch beeinflusste Kleinpartei, die für den vorbehaltlosen Dialog mit der Sowjetunion eintrat, um so eine deutsche Wiedervereinigung zu ermöglichen.

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