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Katholischer Vermittler im demokratischen Neubeginn Weimars

Matthias Erzberger

20.9.1875 - 26.8.1921 (ermordet)

Auf tragische Weise legte Matthias Erzberger die Zerrissenheit des ausgehenden Kaiserreichs und der jungen Weimarer Republik offen. Auch weil er sich als herausragender Parlamentarier um eine Überwindung politischer wie gesellschaftlicher Spannungen bemühte und an einer umfassenden Reformierung innen- wie außenpolitischer Strukturen arbeitete, wurde er als Repräsentant der Weimarer Demokratie 1921 von rechten Nationalisten ermordet.


Für die Zeit des Kaiserreichs legte der aus bescheidenen Verhältnissen stammende Matthias Erzberger eine beachtliche politische Karriere hin. Bereits mit 28 Jahren zog er als Abgeordneter des Zentrums in den Reichstag ein und etablierte sich dort schnell als Experte für Haushaltsfragen. Während er zu Beginn des Ersten Weltkriegs durchaus nationalistische, imperialistische Ideen unterstützte und sich unter anderem auch Annexionsforderungen anschloss, wandelte er sich über militärische Rückschläge immer mehr zu einem Befürworter einer Friedens- und Verständigungspolitik. Im Juli 1917 forderte er in einer Rede vor dem Reichstag dazu auf, auf Annexionen zu verzichten und mit einem "Verständigungsfrieden" ein Ende des Krieges herbeizuführen; seine Forderungen wurden schließlich von einer Mehrheit aus Linksliberalen, Sozialdemokraten und Zentrum als Friedensresolution angenommen. Damit bereitete er einer gemeinsamen parlamentarischen Mitte den Weg in die spätere Weimarer Republik, wurde jedoch erstmals auch Hassfigur der nationalistischen Rechten. Als Staatssekretär unter Max von Baden bemühte sich Matthias Erzberger um Verhandlungen eines Waffenstillstands und unterschrieb als Minister in Compiègne 1918 eben jenen Waffenstillstand. Nach seiner Ermordung 1921 erschien diese Unterschrift Weggefährten wie Joseph Wirth wie die Zustimmung zum eigenen Todesurteil.

Als Politiker der Weimarer Republik drängte er im Anschluss weiter auf einen Vorzug der Politik gegenüber dem Militär. Sein Kernanliegen war dabei, die junge Weimarer Demokratie gegen Angriffe von links und rechts zu wappnen und auf eine stabile Handlungsgrundlage zu setzen. Während der Novemberrevolution trat er deshalb als Vertreter des politischen Katholizismus für eine Zusammenarbeit mit Sozialdemokraten und Liberalen ein. Da er als Reichsminister ohne Geschäftsbereich der Regierung von Philipp Scheidemann die Annahme des Versailler Vertrags unterstützte, wurde Erzberger zur prominenten Zielscheibe antirepublikanischer Gegner der Weimarer Republik, die ihn als Vaterlandsverräter und „Erfüllungspolitiker“ beschimpften. Noch mehr Gegner brachte er gegen sich auf, als er 1919 als Reichsfinanzminister eine gerechtere Steuerreform zu Lasten der Besitzenden anstrebte. Durch eine Verleumdungsaktion musste Erzberger bereits 1920 seine Posten räumen; ein Jahr später wurde er am 26. August in Bad Griesbach ermordet.

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