© Bundesarchiv, Bild 146-2007-0037 / Georg Bauer / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0 / CC BY-SA 3.0 DE

Demokratie erinnern und leben

Gustav Heinemann

23.7.1899 - 7.7.1976

Die Biographie Gustav Heinemanns steht exemplarisch für das oft mühevolle Werden der Demokratie in der frühen Nachkriegszeit nach den Erfahrungen der nationalsozialistischen Diktatur. So forderte Heinemann gegenüber Parteien und Kirchen immer wieder Rechenschaft über Versäumnisse in der Vergangenheit und ein klares Bekenntnis zu demokratischen Traditionen. Auch als Bundespräsident verstand er gemeinschaftliche Verantwortung und Zivilcourage als Kernthemen der Demokratie.


1899 geboren, wuchs Gustav Heinemann mit stark freisinnig-liberalen Werten auf, die später immer wieder in seiner undogmatischen, freiheitlichen Haltung zum Ausdruck kommen sollten. Bereits während seines Jurastudiums engagierte er sich in der Deutschen Demokratischen Partei (DDP). In der Zeit des Nationalsozialismus war Heinemann, der sich 1930 dem evangelischen Glauben zugewandt hatte, ein überaus aktiver Unterstützer der Bekennenden Kirche. Mit seiner juristischen Arbeit, aber auch mit illegalen Flugschriften beteiligte er sich an der kirchlichen Opposition gegen Hitler.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs beschäftigte sich Gustav Heinemann intensiv mit der Frage, welche Demokratie-Defizite zum Scheitern der Weimarer Republik geführt hatten. Er gab auch Teilen der Evangelischen Kirchen aufgrund ihrer antidemokratischen, obrigkeitshörigen Haltung eine Mitschuld am Aufstieg der Nationalsozialisten. Im Oktober 1945 gehörte er zu den Unterzeichnern des sogenannten „Stuttgarter Schuldbekenntnisses“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Auf der Suche nach einer politischen Heimat engagierte sich Heinemann ab 1945 zunächst in der CDU. 1949 wurde er Bundesinnenminister unter Konrad Adenauer, trat jedoch bereits im darauffolgenden Jahr im Streit über die deutsche Wiederbewaffnung, die er strikt ablehnte, von seinem Ministeramt zurück. 1952 gründete er die Gesamtdeutsche Volkspartei (GVP), der ein politischer Erfolg jedoch versagt blieb. Schließlich trat Heinemann 1957 in die SPD ein. Als Justizminister der Großen Koalition (1966-1969) setzte er tiefgreifende Reformen des Zivil- und Strafrechts in liberalem Geiste durch.

Im März 1969 wurde Gustav Heinemann zum Bundespräsidenten gewählt. Seine Wahl wurde allgemein als Signal für einen politischen Aufbruch verstanden, wie ihn dann die sozial-liberale Regierung unter Bundeskanzler Willy Brandt in konkrete (Reform-) Politik umsetzte. Ins Zentrum seiner Amtsperiode stellte Heinemann die Stärkung des bürgerlichen Engagements, die Themen Zivilcourage und Mitbestimmung sowie die Aussöhnung mit den Nachbarstaaten, die unter der Nazi-Besatzung gelitten hatten. Dies tat er nicht zuletzt durch eine Reihe erinnerungspolitischer Initiativen, welche die demokratischen Traditionen in der deutschen Geschichte verstärkt ins öffentliche Bewusstsein bringen sollten, beispielsweise die Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte in Rastatt und der Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten.

Wirkungsorte