Bundesarchiv, B 145 Bild-F064810-0003 / Lothar Schaack / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0 / CC BY-SA 3.0 DE

Konservativer Aufbruch in ein geeintes Deutschland

Helmut Kohl

3.4.1930 - 16.6.2017

Die lange Kanzlerschaft Helmut Kohls steht für eine konservative und stabile Periode der Bundesrepublik, in der er auf vielen Ebenen die europäische Integration und die Aussöhnung mit Frankreich vorangetrieben wurde. Während der Friedlichen Revolution in der DDR 1989 besaß er zudem Weitsicht und Entscheidungssinn, um die Umwälzungen in der DDR zumindest in Teilen erfolgreich und vor allem gewaltfrei in ein wiedervereinigtes Deutschland umzusetzen.


Bereits mit 16 Jahren engagierte sich der in kleinbürgerliche Verhältnisse geborene Helmut Kohl in der CDU und dem Aufbau der Jungen Union in Rheinland-Pfalz. Nach dem Abitur studierte er Geschichte, Staats- und Rechtswissenschaften und promovierte 1958 in der Neueren Geschichte mit einer Arbeit zum Parteienwiederaufbau in der Pfalz nach 1945. Unter diesen Vorzeichen eines frühen parteipolitischen Engagements und der historisch eingefärbten Verbundenheit mit seiner Heimatregion arbeitete sich Kohl schnell innerhalb der CDU nach oben. 1969 wurde er mit 39 Jahren Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. Sein Geschick, ein Netzwerk aus fähigen Kontakten und Allianzpartner auf- und auszubauen, würde ihn bis ins Kanzleramt begleiten.

1976 zog Kohl als Abgeordneter in den Bundestag und traf dort auf eine über die Ostpolitik in die Defensive geratene CDU-Fraktion. Kohl bemühte sich nun, das Profil der Partei gegenüber der sozialdemokratischen Regierung Schmidt auf der einen und der rechtskonservativen CSU unter Franz Josef Strauß auf der anderen Seite durch ein gemäßigtes, christlich-liberales Programm zu stärken. 1982 gelang ihm der Coup, mithilfe der FDP durch ein konstruktives Misstrauensvotum Helmut Schmidt als Bundeskanzler zu beerben. In einigen Punkten wie der Ostpolitik führte er jedoch die Politik seiner Vorgänger fort, sodass 1989, trotz der sich überschlagenden Ereignisse, das Ergebnis einer langen überparteilichen Annäherungspolitik war. Mit der Friedlichen Revolution wurde Helmut Kohl der Kanzler der deutschen Wiedervereinigung, auch weil er über vertrauensvolle Kontakte zu vielen internationalen Entscheidungsträgern dieser Periode den Prozess der Annäherung außenpolitisch stabilisieren konnte. Während er sich um eine umfassend, wenn auch nicht konfliktfreie Integration und Gleichstellung der neuen Bundesländer bemühte, bereitete er zudem wichtige Schritte der europäischen Integration mit den Maastrichter Verträgen, dem Schengen-Abkommen und der Einführung des Euros vor.

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