Bundesarchiv, B 145 Bild-F035071-0006 / Detlef Gräfingholt /Wikimedia CommonsCC-BY-SA 3.0 / CC BY-SA 3.0 DE

Speerspitze der liberalen Presse

Marion Grafin Dönhoff

2.12.1909 - 11.3.2002

In der Bundesrepublik wurde Marion Gräfin Dönhoff zu einer der bedeutendsten Publizistinnen. Als Journalistin und Herausgeberin der "Zeit" verkörperte sie den liberalen Flügel der deutschen Presse und forderte in ihren Artikeln immer wieder zum Nachdenken über Freiheit, Toleranz und Gerechtigkeit auf. Ihre Wurzeln in Ostpreußen machte sie zudem immer wieder zum Gegenstand, auch um über die deutsche Ostpolitik und die Aufarbeitung des Nationalsozialismus zu schreiben.


Die Erfahrungen der ostpreußischen Kindheit, der Widerstand im Nationalsozialismus und der anschließende Verlust der Heimat prägten Marion Gräfin Dönhoff nachhaltig. Auf Schloss Friedrichstein in der Nähe von Königsberg in eine adelige Familie geboren, besuchte sie zunächst eine Schule in Berlin, bevor sie in Königsberg und anschließend in Frankfurt ein Studium der Volkswirtschaftslehre begann. Dönhoff kehrte im Anschluss an ihre Promotion nach Friedrichstein zurück. Sie hielt aber Verbindungen zu Widerstandskreisen in Berlin, da sie bereits während des Studiums mit den Repressalien der Nationalsozialisten konfrontiert worde war. Teile ihrer Familie machten gleichzeitig in der NSDAP Karriere. Als sie nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli von Verwandten denunziert wurde, konnte sie ein Verhör durch die Gestapo unbeschadet überstehen. Ein halbes Jahr später floh sie vor der vorrückenden Roten Armee in den Westen. Wie andere im Widerstand aktive Frauen - Annedore Leber oder Freya von Moltke - gehörte Dönhoff später zu den ersten, die eine Erinnerung an die Leistung der Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus einforderten.

Kurz nach dem Krieg wurden britische Verbindungsoffiziere auf Schriften Dönhoffs zur deutschen Nachkriegsordnung aufmerksam und luden sie ein, sich an der neu gegründeten Zeit als Journalistin zu beteiligen. In ihren frühen Artikeln widmete sie sich kritisch der Besatzung in Ost und West und thematisierte auch immer wieder ihre Flucht aus Ostpreußen. Gleichzeitig kam sie bald als Leiterin des Politikressorts in Kontakt mit führenden Politikern, unter anderem begleitete sie Konrad Adenauer 1955 auf seiner Reise nach Moskau. Hier wie auch später wurde das Thema der deutsch-deutschen Aussöhnung und die Beziehungen zu Osteuropa eines ihrer Kernanliegen. Ab 1973 übernahm sie schließlich die Herausgeberschaft der Zeit, die sie bis zu ihrem Tod inne hatte. Stellvertretend für viele Vertriebene und Flüchtlinge in Deutschland bemühte sich Marion Gräfin Dönhoff zeit ihres Lebens um eine Aufarbeitung und Vermittlung der veränderten Verhältnisse nach 1945 und wirkte so auch auf die bundesrepublikanische Gesellschaft versöhnend und integrierend ein.

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