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Als erste Bundesministerin für gleiche Chancen

Elisabeth Schwarzhaupt

7.1.1901 - 29.10.1986

Mit Elisabeth Schwarzhaupt rückte 1961 zum ersten Mal eine Frau in das Amt eines Bundesministers. Zuvor hatte sie bereits als Juristin im Nationalsozialismus wie in der frühen Bundesrepublik Einfluss auf Gleichstellungsfragen genommen und würde dies bis zum Ende ihrer bundespolitischen Tätigkeit auf vielfältige Weise tun.


Als Tochter eines Deutsche Volkspartei (DVP)-nahen Oberschulrats wuchs Elisabeth Schwarzhaupt in einem großbürgerlichen Elternhaus auf und promovierte 1930 in Rechtswissenschaften. Nach einer kurzen Tätigkeit bei einer Rechtsberatungsstelle für Frauen arbeitete sie als Richterin in Dortmund und Frankfurt am Main, musste ihr Amt jedoch mit der nationalsozialistischen Machtübernahme aufgeben. Während sie sich nun in Kanzleien betätigte, reagierte Schwarzhaupt auf das nationalsozialistische Frauenbild mit kritischen Gegenschriften, so bereits 1932 mit Die Stellung der Frau im Nationalsozialismus. Über die Nähe zur Bekennenden Kirche initiierte sie daneben Hilfen für verfolgte Vikarinnen und Vikare. Als sie 1933 ihre Tätigkeit als Juristin aufgeben musste, verlagerte sie ihr Engagement auf die evangelische Kirche: 1944 wurde sie zur Oberkirchenrätin ernannt, als einzige Frau in einer solchen Führungsposition.

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete sie zunächst weiter im Umfeld der evangelischen Kirche. 1953 trat sie für die CDU im Wahlkreis Wiesbaden zur Bundestagswahl an und erhielt ein Mandat, das sie bis 1969 hielt. Als Mitglied des Rechtsausschusses vertrat Schwarzhaupt durchaus von ihrer Partei abweichende Meinungen zu Ehe- und Familienrecht. So blockierte sie etwa die Integration des sogenannten Stichentscheides, nach dem dem Ehegatte in Streitfällen grundsätzlich das Recht zugesprochen wurde. 1961 wurde sie schließlich auf Druck anderer Parlamentarierinnen wie etwa Aenne Brauksiepe oder Helene Weber von Konrad Adenauer als erste Frau für das Bundesministerium für Gesundheit ins Kabinett geholt. Mit dem neu gegründeten zusätzlichen Ressort Umwelt wurden unter ihr auch erste Richtlinien für die Reinhaltung von Luft und Wasser eingeführt. Nach dem Ende ihrer Amtszeit stritt Schwarzhaupt weiter für Gleichstellung im Bundestag, während sie sich in Frauenorganisationen wie dem Deutschen Frauenrat engagierte.