Matthias von Hülsen

Für Menschenrechte, gegen Abschottung

Ludwig Mehlhorn

5.1.1950 - 3.5.2011

Wie kaum ein anderer Bürgerrechtler der DDR erkannte Ludwig Mehlhorn früh die grenzüberschreitenden Bezüge der gemeinsamen Opposition und befürwortete eine gesamteuropäische, gemeinschaftliche Politik der Verständigung. Er hielt wichtige Kontakte zu polnischen und tschechischen Oppositionsbewegungen, schrieb zu Menschenrechtsverletzungen und beteiligte sich maßgeblich an den Bürgerrechtsbewegungen der Friedlichen Revolution 1989.


Während er nach seinem Abitur ein Studium der Mathematik absolvierte, kam Ludwig Mehlhorn früh über die Aktion Sühnezeichen und verschiedene kirchliche Gruppen in Berührung mit polnischen Oppositionellen. Ebenso engagierte er sich in verschiedenen Kreisen der Friedens- und Menschenrechtsbewegung. Als er 1985 aufgrund seiner oppositionellen Kontakte Berufsverbot erhielt, wurde er Pfleger in einer christlichen Einrichtung für geistig behinderte Kinder. Ins gleiche Jahr fielen die ersten öffentlichkeitswirksamen Aktionen Mehlhorns: Im Mai 1985 unterschrieb er die „Initiative für Blockfreiheit in Europa“, im Juli widersprach er mit anderen Oppositionellen in einem offenen Brief an die DDR-Regierung der Teilnahme an den geplanten Jugendfestspielen in Moskau. Darin forderten sie unter anderem Reisefreiheit, Versammlungsfreiheit, Meinungsfreiheit und gerechte Bildungschancen.

Gleichzeitig trat Mehlhorn für ein Festhalten an der deutschen Einheit ein. Gemeinsam mit anderen Bürgerrechtlern wie Wolfgang Ullmann und Ulrike Poppe sprach er sich gegen ein Prinzip der Abgrenzung aus. Mit den von ihm veröffentlichten radix-Blättern, alternativen systemkritischen Schriften, versuchte er zudem, unterschiedliche Widerstandsgruppen aus Kirche und Kultur auch über die DDR hinaus zu vereinen. Schließlich gehörte er während der Friedlichen Revolution zu den Mitbegründern von Demokratie Jetzt!, die aus den früheren Bewegungen gegen Abgrenzung und Abschottung hervorgegangen war. Nach der Wende engagierte sich Mehlhorn weiter in der deutsch-polnischen Verständigung. Mit der Initiative Neues Kreisau, die an das Erbe des Kreisauer Kreises anknüpft und bereits zu DDR-Zeiten ihren Anfang nahm, gestaltete er einen europäischen Ort der Begegnung und des zivilgesellschaftlichen Engagements maßgeblich mit.